Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalston 3/2019

Vom Nutzen des Sommerhauses

Im hier präsentierten Tonbeispiel berichtet ein 1921 in Unterwalden (Meinhardt, Podlesnoje) im Wolgagebiet geborener Interviewpartner von Johannes Künzig über die Bedeutung und Nutzung des Sommerhauses im Wolgagebiet.

Weil die Tage im Sommer sehr lang und heiß waren, versuchte man das „Winterhaus“ kühl zu halten. Gewaschen, gekocht, gebacken, „eingerext“*, d.h. Saft und „Brotschmier“ (Marmelade) aus Wassermelonen eingekocht, wurde im „Sommerhaus“. Alles, was auf und mit Feuer verrichtet werden musste, wurde also aus dem Winterhaus verbannt. Das hatte auch den Vorteil, dass in das Haus, in dem am Mittag die Großeltern und die Kinder schliefen, keine Fliegen eindrangen.

*Das vor allem in Österreich verbreitete Verb „einrexen“ und das deutsche Verb „einwecken“ sind jeweils mit einem im Bereich des Einkochens tätigen Fabrikanten verbunden: mit Gustav Rex, Teilhaber der Glashüttenwerk Germania, Schweig, Rex & Co. (ab 1910 Glashüttenwerk Weißwasser AG) in Niederschlesien, deren Gläser man in Österreich bezog, und mit J. Weck (1841–1914), der das Einkoch-Verfahren in Deutschland einführte.

Tonarchiv des IVDE, Band 1158, aufgenommen in Freiburg im Breisgau im November 1979.

Tonarchiv: Dr. Elisabeth Fendl
Als PDF speichern