Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalsbild 3/2019

Die Sommerküche

Das Foto zeigt drei Frauen mit Schürzen vor der offenen Sommerküche. Links daneben befindet sich ein Maisstall, rechts der Eingang zum Keller („Hambar“).

Die deutschen Höfe in der Dobrudscha und auch in anderen donauschwäbischen Gebieten verfügten meist über ein dem Wohnhaus gegenüberliegendes Sommerhaus, auch Kleinhaus genannt, wo sich in der Regel eine sogenannte Sommerküche und häufig auch der Backofen des Bauernhauses befanden. (Gehl)

„Wie schon der Name sagt, wurde in der Sommerküche im Sommer gekocht. Der Sommer war immer sehr heiß, und es gab viele Fliegen und anderes Ungeziefer, welches man nicht im Hause haben wollte. – In der Sommerküche wurde auch gewaschen. Die Wäsche eingeweicht in die ‚Backmuld‘. Die ‚Backmuld‘ zum Teiganmachen befand sich ebenfalls in der Sommerküche“, so beschreibt Heinrich Renner die Sommerküche in seinen „Volkskundlichen Aufzeichnungen aus der Dobrudscha“ (S. 134). Ähnlich schildert auch Marlies Hoffart den Vorteil einer Sommerküche: „Es gab sehr viel Rohkost und gekocht hat man in den sogenannten Sommerküchen. Das Wohnhaus wurde morgens geputzt, solange es noch kühl war, gut gelüftet und anschließend verdunkelt und verschlossen. So blieben die Wohnungen kühl und fliegenfrei.“ (Stiller-Leyer, Anhang, S. 1)

Die Anordnung der einzelnen Gebäude eines Hofes „richtete sich nach der Größe des Landbesitzes“ (Renner, S. 135). So konnte es auch sein, dass man für die Sommerküche kein eigenes Gebäude hatte, sondern dass im Freien gekocht wurde.

Quellen:
Gehl, Hans (Hg.): Wörterbuch der donauschwäbischen Lebensformen (Donauschwäbische Fachwortschätze, 4), Stuttgart 2005, Sp.70 f., Sp. 536, Sp. 944 f.
Renner, Heinrich: Volkskundliche Aufzeichnungen aus der Dobrudscha. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1957, S. 131–156.
Stiller-Leyer, Irmgard Gerlinde (Hg.): Die Küche der dobrudschadeutschen Bäuerin 1840-1940, [Heilbronn ca. 1980].

Bildarchiv: Teresa Volk
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