Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalsbild 1/2020

Fahrt mit dem Pferdeschlitten

Das Bild zeigt einen Bauern und seinen Knecht in einem von zwei Pferden gezogenen Schlitten. Es handelt sich hier um einen sogenannten Personen- oder auch Familienschlitten, der im Winter als Beförderungsmittel im Schnee diente. Er wurde ein- oder zweispännig gefahren und es fanden zwei bis sechs Personen darin Platz.
Der „Kastenschlitten war der typische Schlitten der Bauern, manchmal mit hölzernem oder ausgeflochtenem Kasten versehen“
(Wagner, S. 264 f.).

Der Schlitten wurde für die sonntägliche Fahrt zur Kirche,
für Besuchsfahrten und für die Jagd genutzt. Bisweilen wurde der Schlittenfahrt auch eine magische Wirkung zugeschrieben, wenn es heißt: „zu Lichtmeß (2.2.) oder zu Fastnacht muß weit mit dem Schlitten gefahren werden, damit der Flachs gut wächst“
(Goltz, Sp. 263).

Eine Frau aus Tariverde (Dobrudscha) schreibt in ihren Lebenserinnerungen, dass nicht alle einen Schlitten bzw. Pferde besessen hätten und dass es deshalb für sie als Kind ein besonders schönes Erlebnis gewesen sei, als jemand aus dem Dorf sie im Jahr 1906 auf seinem Schlitten mitgenommen hätte. (E. B.)

Quellen:
Gehl, Hans (Hg.): Wörterbuch der donauschwäbischen Landwirtschaft (Donauschwäbische Fachwortschätze, 3), Stuttgart 2003, Sp. 846.
Goltz, Reinhard (Hg.): Preußisches Wörterbuch. Deutsche Mundarten Ost- und Westpreußens, Bd. 5, Neumünster 1997, Sp. 62 ff.
Wagner, Dietmar: Schleifen und Schlitten in Ost- und Westpreußen. In: Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde, 24 (1981), S. 254–270.
[E. B.]: Tagebuch, Nachlass Otto Klett / Johannes Niermann, IVDE Freiburg, Signatur: 4/1/571.

Bildarchiv: Teresa Volk
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