Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalsbild 4/2019

In der Spinnstube

„Anfang November, wenn die Feldarbeit für die Frauen zu Ende war, wurde das Spinnrad vom Boden heruntergeholt, und das Spinnen begann.“ (Blum, S. 126) Abends, und mancherorts auch schon früh morgens vor der Arbeit, setzten sich die Frauen der Familie zusammen in die Stube, um zu spinnen und andere Handarbeiten zu verrichten. Häufig kamen auch Frauen aus der Nachbarschaft mit ihren Spinnrädern hinzu und zusammen mit den Männern, die sich zum Kartenspiel trafen, verbrachte man – so zumindest das Bild in der Literatur – gesellige Abende.

Es wurden Hanf, Leinen und Wolle gesponnen. „In wirtschaftlicher Hinsicht konnte von diesem selbst gesponnenen Garn fast alles hergestellt werden, in der Hauptsache Bettücher [sic], Handtücher, Schürzen, Unterhosen, Strohsäcke und Tischdecken.“ (Tafferner,
S. 180).

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Spinnen zu Hause weit verbreitet, durch das Entstehen professioneller Spinnereien und Webereien jedoch ließ dies stark nach und verschwand nach Ende des Ersten Weltkrieg fast gänzlich.

Quellen:
Blum, Konrad (Hg.): Liebling. Geschichte einer schwäbischen Gemeinde des Banats, Weilheim [ca. 1958].
Tafferner, Anton; Heimatausschuss (Hg.): Bácsalmás (Batschalmasch). Eine deutsche Marktgemeinde in Ungarn, München 1965.

Bildarchiv: Teresa Volk
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